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Bericht Riga 2005

Im Rahmen der Kooperation des Bezirks Oberfranken und dem Zentrum für Psychiatrie in Lettland, jetzt State Mental Health Agency, fand auch in diesem Jahr eine Vorlesungs- und Weiterbildungsveranstaltung der sog. Riga-Gruppe in Riga statt.

Diese Veranstaltung war, wie Sie aus beiliegendem Programm ersehen, in weiten Bereichen zweigeteilt:

  1. Psychiatrische Klinik, mit Medizinischer Fakultät und State Mental Health Agency
  2. Outpatient Clinic

In der Psychiatrischen Klinik fanden Vorlesungen zu den Themen:
Prof. Wolfersdorf: Suizidologie, und Suizidprävention sowie Rätzel-Kürzdörfer, M.Sc.: Psychiatrische Versorgungsstrukturen statt.

Neben diesen Vorlesungen wurde ein Round Table Gespräch mit den Verantwortlichen des State Mental Health Agency sowie den Professoren der Medizinischen Fakultät durchgeführt.

In der Outpatient Clinic wurden sowohl theoretische wie auch praktische Weiterbildungsinhalte angeboten:

  • Wagner, Fachpfleger für Psychiatrie: Psychoedukation Psychose
  • Rupprecht, Dipl. Psychologin: Psychoedukation Depression
  • Neumann, Leitung Weiterbildung Fachkrankenpflege Psychiatrie und Rupprecht:
    Workshop – Entspannungsverfahren
  • Wagner: Psychiatrische Ambulanz
  • Rupprecht, Neumann, Wagner: Fallmanagement und Coaching

An den Veranstaltungen von Herrn Prof. Wolfersdorf und Rätzel-Kürzdörfer nahmen insgesamt etwa 200 Kolleginnen und Kollegen aus Lettland teil. In der Outpatient Clinic waren etwa 30 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus verschiedensten Lettischen Psychiatrien anwesend. Dieser Teil der Fortbildung wurde in Seminarform abgehalten.

Die Veranstaltungen waren von hohem Interesse und großer Motivation geprägt. Das fachliche Niveau bei anschließenden Fragen und Nachbesprechungen war beachtlich und zeichnete sich durch ein außerordentliches Maß an Wissbegierde aus.

Zusammenfassend für den Bereich der Vorlesung und den Teil praktische und theoretische Weiterbildungsinhalte lässt sich sagen, dass von eher Überblick vermittelnden Inhalten der vergangenen Jahre ein Wandel hin zu differenzierten Kernpunkten der Psychiatrie vollzogen werden konnte.

Das entspricht in hohem Maß der Entwicklung der Psychiatrie in Lettland. Auch in Lettland werden Betten reduziert, Verweildauern verkürzt und Fallzahlen erhöht. Nicht nur für den Bereich der Psychiatrischen Versorgung bedeutet das einen konsequenten Ausbau der komplementären Versorgungsstrukturen. Damit verbunden sind gesundheitsökonomische und versorgungspolitische Fragestellungen, die hauptsächlich Inhalt des bereits erwähnten Round Table Gesprächs darstellten. Außerdem waren Fragen wie psychosomatische Versorgung – Behandlung in Psychiatrischen Fachkrankenhäusern oder angegliedert in somatischen Kliniken (Abteilungspsychiatrie)- sowie die Integration der Behandlung von Abhängigkeitserkrankungen zurück in die Psychiatrie in Lettland Basisthemen im Rahmen des Round Table Gespräch.

Dr. Bugins, Leiter des State Mental Health Agency und Dr. Taube, WHO-Vertreter Lettlands äußerten den Wunsch nach noch intensiveren Angeboten seitens des „Bayreuther Riga-Teams“, insbesondere in den bereits erwähnten Bereichen:

  • Psychiatrische Versorgungspolitik
  • Gesundheitsökonomie
  • Gesundheitsökonomische Evaluationen bei Fragen integrierter psychiatrischer Versorgung

Mit Dr. Taube wurden die Möglichkeiten einer Finanzierung z.B. aus dem Sozialfond der EU oder vergleichbaren Unterstützungen diskutiert.

Vereinbart wurde, dass im Oktober wieder eine Hospitation von lettischen Kolleginnen und Kollegen in Bayreuth stattfinden wird.

Auf dem Gebiet des praxisorientierten Angebots, welches sehr gelobt wurde, sollen noch verstärkter tagesklinische, ambulante und tagesstrukturierende Themen angeboten werden.

Im Hinblick auf ein Projekt, mit dem Ziel der Platzierung von psychisch Erkrankten auf dem Arbeitsmarkt, wurde der Wunsch nach Weiterbildung für arbeitsdiagnostische Kompetenz speziell herausgestellt.

In diesem Jahr wurde das Fortbildungsprogramm auf drei Tage reduziert. Der Wunsch der Lettischen Verantwortlichen war eine Verlängerung um einen Tag wie früher für zukünftige Aktivitäten vor Ort in Riga.

Der Kontakt zu den Verantwortlichen, sowie Kolleginnen und Kollegen hat sich über die vergangenen Jahre kontinuierlich positiv entwickelt. Speziell in diesem Jahr war wieder spürbar, welche Bedeutung die Kooperation für die beiden Partner hat. Durch die offene und vertrauensvolle Zusammenarbeit haben sich bemerkenswerte Projekte entwickelt. Die Forensische Klinik hat in den Baltischen Staaten Vorbildcharakter. Der Aufbau der Outpatient Clinic stellt einen Meilenstein in moderner psychiatrischer Versorgung dar.

An beiden Projekten war das „Riga-Team“ maßgeblich beteiligt. In vielen Bereichen spürt man die „Handschrift“ der Bayreuther Psychiatrie. Dieser Umstand erfüllt die Gruppe mit Stolz und lässt das oft Beschwerliche leicht vergessen.

Auch der Auf- und Ausbau der teilstationären, ambulanten und komplementären Versorgungsstrukturen in Lettland soll sich am „Bayreuther Modell“ orientieren, so Dr. Bugins und Dr. Taube.

Die Unterzeichner und die weitern Mitglieder der Gruppe sind absolut von der Sinnhaftigkeit und den messbaren Ergebnissen der Kooperation überzeugt. Diese erfolgreiche Arbeit ist es wert fortgeführt zu werden.

Ohne die Unterstützung der politischen Gremien, insbesondere der Unterstützung durch den Bezirkstagspräsidenten, Herrn Dr. Denzler wäre diese segensreiche Arbeit für die psychisch erkrankten Menschen in Lettland nicht möglich. Dafür wollen wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Prof. Dr. Wolfersdorf
Walter Rätzel-Kürzdörfer M.Sc.
Leiter der Ergotherapie Vorsitzender der AG Medizin,
Psychiatrie u. Soziales im Verein Transkarpatien - Bezirk Oberfranken

 

2005 Bezirk Oberfranken